Stahlhelm M42 - Wasserfund

Dieser Wehrmachtsstahlhelm ist zum Kriegsende von seinem Besitzer in einen Teichgeworfen worden. Ein Magnetangler hat ihn 75 Jahre nach dem Krieg wieder auf´s Trockene gezogen. Wasserfunde sind oftmals deutlich weniger verrostet als Bodenfunde. In der Erde hat sich das Leder des Helmeinsatzes in der Regel vollständig aufgelöst und die Helmglocke weist meistens massive Durchrostungen auf.

Bei diesem Stahlhelm war das Leder des Innenhelms  zwar trocken und steif, aber sonst noch von guter Konsistenz.

Die Helmglocke machte einen so massic verrosteten Eindruck, dass man zunächst damit rechnen musste, dass er bei Berührungen sofort zerbröseln würde. Von der Originalfarbe war nichts mehr zu sehen, dafür aber massive Rostpusteln.

Der Stahlhelm ist so stark verrostet, dass man weder die Belüftungsöffnung noch den Helmsplint sieht, der das Innenfutter trägt. Alles ist unter dicken Rostpusteln verschwunden.

 

Warum reizt mich so ein Helm? Grundsätzlich verfügen die meisten Fundhelme, die man auf den einschlägigen Plattformen kaufen kann, kein Innenfuttermehr und die drei Helmsplinte fehlen auch.

Die Preise für guterhaltene Stahlhelme gehen heutzutage gern schon in den (deutlich) vierstelligen Bereich. Weil die Besitzer von guterhaltenen Helmglocken die fehlenden Teile nicht durch Neuware (man kann ALLES kaufen) ersetzen wollen, werden die wenigen originalen Helminnenteile sehr hoch gehandelt. Auch angeschlagene Helmeinsätze bringen oft über 200,-EUR und allein für die drei Helmnieten zahlen Sammler 50,-EUR und mehr. Mir geht es nicht darum, diesen Helm in Teilen zu verkaufen, sondern ihn als ganzen zu erhalten.

Ein weiterer Grund, warum mich dieser Helm interessiert, ist das Fehlen von Kampfschäden. Es werden bei ebay oft Stahlhelme mit Durchschüssen und Granatsplitterbeschädigungen angeboten. Das legt den Verdacht nahe, dass sein damaliger Besitzer unter diesem Helm ums Leben gekommen ist. Ich würde so einen Helm nicht ins Regal stellen. Bei diesem Wasserfund oder dem Scheunenfund aus meinem anderen Restaurierungsbericht habe ich diese Bedenken nicht.

 

Zurück zum Helm: Hier kommen ein paar weitere Bilder, die den Zustand dokumentieren.

Und zu guter Letzt ein Blick in das Innenleben. Ist hier noch etwas zu retten? Hat der Helm noch irgendwo den Rest einer Originalfarbe, und wenn es nur in homöopathischer Dosis ist?

Es beginnt nun die Rostbehandlung in einem Oxalsäurebad. Dazu habe ich wieder den 15-Litereimer mit heißem Leitungswasser befüllt und 750g Oxalsäurepulver aufgelöst. Den Helm habe ich nach 30  bis 60 Minuten aus der Säure genommen, in einem Eimer mit klarem Wasser abgespült und abgebürstet und anschließend wieder in Oxalsäure gelegt.

Nachts habe ich den Helm in einen dritten Eimer mit destilliertem Wasser gelegt. Damit soll der Helm "entsalzt" werden. Den Innenhelm mit dem Leder habe ich im Helm belassen. Die Oxalsäure beschädigt das Leder nicht nur nicht, es gerbt es sogar noch nach.

 

Nach einer Woche sah der Helm so aus:

So sieht der Stahlhelm nach einer Woche im Oxalsäure- (tagsüber) und destilliertem Wasser- (nachts) Wechselbad aus. Der Rost hat sich schon deutlich gelöst. Es kommt gesunder Stahl darunter zum Vorschein. Das Haptik der Morbidität ist vollkommen verschwunden. Da bricht gar nichts. Man könnte den Stahlhelm auch auf Beton fallen lassen, es würde ihm nichts passieren.

Am Ende der zweiten Woche ist die Wirkung der Oxalsäurebehandlung deutlich fortgeschritten . Der Helm ist jetzt innen nahezu rostfrei. Es ist noch jede Menge Originalfarbe vorhanden. Allerdings schimmert dort, wo die massiven Rostaufblühungen waren, jetzt das blanke Metall durch. Von der Substanz ist der Stahlhelm aber kerngesund. Der erste Schein hat getrogen.

Durch die lange Oxalbehandlung haben sich gelbe Flecken in den ehemaligen Rostnestern gebildet. Das ist Eisenoxalat, welches nur mechanisch zu entfernen ist. Im trockenen Zustand ist die unerwünschte Nbenwirkung gut zu sehen. Mann kann sie reduzieren, indem man den Helm bei der Oxalsäurebehandlung häufiger abbürstet (auch mit einer weichen Messingborstenbürste).

Im Helminneren sieht man immer noch größere Rostflächen., so dass eine weitere Oxalsäurebe3handlung notwendig ist.

Während der Helm weiter in der Oxalsäure badet, habe ich mich um den Ledereinsatz gekümmert. Leider habe ich dabei einen folgenschweren Fehler gemacht.

Aber zunächst der Reihe nach. Das Helmleder hat eine Wochen in der Oxalsäure und eine weitere Woche zum Entsalzen in destilliertem Wasser gelegen. Das Leder sah danach frisch aus wie am ersten Tag. Es war vollkommen weich und geschmeidig.

Nachdem der Stahlhelm rostfrei war, habe ich ihn mit einer Politurpaste, Ambassador, und einer Wurzelbürste von den gelblichen Anhaftungen befreit. Es handelt dabei um Eisenoxalat, was insbesondere dann entsteht, wenn die Oxalsäure schon länger benutzt wurde.

Nach dem Abbürsten wird der Stahlhelm noch einmal mit Ballistol eingesprüht und abgerieben.

Dies ist das fertige Ergebnis mit Helmeinsatz und Leder.