ostpreußen

Pommern, Ermland, Masuren, Litauen 2014,

hier kommt meine Fotostrecke, bestehend aus 60 Bildern von der Forumstour des 2-Ventiler-Forums durch Ostpreußen und Litauen. Sie können natürlich auch in die Galerie, ich zeige sie hier einmal „in groß“. Natürlich habe ich auch jede Menge von normalen „Touristenfotos“ geschossen, diese Auswahl hier hat aber eher die Gruppe und die Geschehnisse am Rande im Fokus.
Und schon ist das erste Problem da. Wie bezeichne ich die Orte? Mit den korrekten polnischen Namen oder den alten deutschen? Auch wenn Pieniezo, Paslek und Wegorzewo richtig sind, schreibe ich doch lieber Mehlsack, Preußisch Holland und Angerburg. Nicht weil ich damit irgendwelche politische Überzeugungen zum Ausdruck bringen will, sondern einfach der Verständlichkeit wegen.

Die Anreise aus der Nordheide über Mecklenburg-Vorpommern war unspektakulär, wenn man davon absieht, dass unser Stau zwischen Hamburg und Lübeck sogar den Stau München-Salzburg in der Länge übertroffen hat.
In dem polnischen Seebad Poberow haben wir zum ersten Mal übernachtet. Preise für Übernachtung und Speisen sind sehr niedrig, auch wenn die häufigste Antwort bei den Bestellungen „ist leider aus“ war. Westpolen wirkt wohlhabend. Viele neue, zum Teil sehr mondäne Häuser sind hier entstanden. Es stehen aber auch viele Neubauruinen herum, bei denen aus irgendwelchen Gründen der Bau gestoppt wurde.

Kurze Rast auf dem Weg durch Pommern




In glühender Hitze beim polnischen Stonehenge

Benzingespräche, Michael und einer der zahlreichen Dirks
Unsere Kampfamazonen


Den Abend haben wir in der Danziger Innenstadt verbracht und dort auch gut und üppig gegessen.






Stefan und Sybille verhandeln hart mit Malgorzata über den Preis für das Gold der Ostsee



Hafenzeile an der Weichsel
Danzig bei Nacht, aus der Hand fotografiert



Weiter geht´s. Treidelfähre über das Weichseldelta bei völliger Windstille

Wir sind auf der Frischen Nehrung, sitzen auf der Terrasse eines Restaurants, schlürfen gekühlte Getränke und blicken über das Frische Haff auf den Dom zu Frauenburg. Wie friedlich alles aussieht. Genau hier ist mein Vater im Januar 1945 mit seiner Mutter und einigen Zehntausend Flüchtlingen über das Eis vor der Roten Armee geflohen, die den Landweg für die Trecks schon abgeschnitten hatte. Tausende sind hier erfroren, ertrunken und durch den Beschuss durch sowjetische Flieger ums Leben gekommen.



Wir verlassen die Frische Nehrung und fahren durch den Danziger Werder nach Marienburg.
Michael und noch einer der vielen Dirks, erschöpft vor der Ordensburg Marienburg



Die Fahrt geht weiter bei glühender Hitze. Am anderen Weichselufer, zwischen Marienburg und Stargard, liegt Dirschau. Wir könnten die Stadt über die 1857 gebaute Weichselbrücke erreichen. Allerdings ist sie für Fahrzeuge gesperrt. Zwei polnischen Jungs erzählen uns, dass die Polizei auf der anderen Seite gern Tickets für den unberechtigten Weichselübertritt kassiert. Für ein Foto mit sehr viel Stahl reicht es aber trotzdem.






Uwe hat für uns viele wirklich spannende Ziele und Haltpunkte ausgewählt, die wir ohne ihn niemals gefunden hätten. Da liegen so unglaublich viele Kulturschätze brach und verfallen, dass einen glatt sprachlos macht. Ich habe noch nie so viele Schlösser, Güter, Herrenhäuser und Anwesen gesehen wie in Ostpreußen. Man kann sagen, dass der gesamte ehemalige Adelsbesitz leer steht und bestenfalls vor dem weiteren Verfall bewahrt wird. Vieles verfällt aber bis zur vollständigen Zerstörung. Es ist zum weinen.






Auf dem Weg nach Masuren hat der Weg uns an die russische Grenze gebracht. Mich hätte es schon interessiert, die Grenze zu überqueren und die Kreise Heiligenbeil und Zinten zu sehen. Leider sind die bürokratischen Auflagen für ein Visum so hoch, dass wir davon wieder Abstand genommen haben. Deshalb gibt es nur einen kurzen Blick auf die russische Grenze.




Ich habe so viele Trümmerbilder aufgenommen (aufnehmen müssen), damit könnte man ein ganzes Buch füllen. Nicht fotografiert habe ich die vielen, noch bewohnten Bauernhöfe aus deutscher Zeit, die wir beim Fahren nur als Striche in den Augenwinkeln wahrgenommen haben. Gerade im Ermland gibt es kaum neuen polnischen Gebäudebestand. Die meisten Menschen wohnen hier in den alten Häusern, die vor dem Krieg gebaut wurden. Von den Prachtbauten Westpolens ist hier in Zentralpolen nichts mehr zu sehen. Erst Masuren sieht wieder wohlhabender aus. Die Kleinstadt Rößel hat uns in ihrem Schloss Unterkunft für drei Nächte gewährt.






In Rößel haben wir einen beeindruckenden, hochintelligenten Deutschen kennen gelernt. Er ist 84 Jahre alt, lebt jedes Sommerhalbjahr in Rößel und ist mittlerweile zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden. Wirklich schön, dass es in Europa diese Freizügigkeit gibt, die es den Menschen ermöglicht, da zu leben, wo sie wollen. Wir haben ihn „den Verbindungsoffizier“ genannt. Leider habe ich kein Foto von ihm. Er hat uns die Kirche von Rößel gezeigt und ist mit uns sogar trotz seiner 84 Jahre die 252 Stufen bis in den Kirchturm hinaufgestiegen. Respekt vor diesem Mann!
Die katholische Kirche selbst war sehr beeindruckend, doch zu dunkel, um sie aus der Hand zu fotografieren. Ich habe aber meine Kamera auf den Boden gelegt, auf 15 Sekunden Belichtungsszeit eingestellt und gewartet, was dabei herauskommt:



Die Tagestouren an der masurischen Seenplatte waren schön, sie hat uns auch durch bewohntes Gebiet geführt. In Erinnerung bleiben die Namen Rastenburg, Barten, Drengfurt, Angerburg, Lötzen, Nikolaiken, Johannisburg, Sensburg – Namen, die keiner mehr kennt.

Eindrücke von unterwegs:















Staub hat sich in jeder Ritze festgesetzt. Insbesondere die Motoren mit ihrer natürlichen Öltranspiration sahen im Laufe der Zeit eine schöne Patina angenommen.




Da ist er, der Tausendsassa. Uns´ Uwe!



Die G/S fühlt sich noch unterfordert. Das wird sich ändern, wenn sie erst über die unbefestigten litauischen Wege rauschen wird.


Kurzer Orientierungshalt


Und wieder Bilder vor einem traurig-schönen Hintergrund:



Pause an einem See.





Konzentrierte Motivsuche.



Alte Stahlkonstruktion. Simone entspannt sich.

Zurück in Rößel. Dächerwirrwarr.



Russischer Besuch im Schloss von ein paar russischen Familien. Was sehen da meine entzündeten Augen? Was steht da unter dem kaliningrader Kennzeichen?




Und wieder:


Schloss Lehndorf in Steinort, oder was davon übrig ist.






Nach einer Pause in einer kleinen masurischen Ortschaft streikt eine GS. Wir sind die Attraktion für die Kinder. Das Zündsteuergerät ist verraucht. Der Motor ist nicht mal zu einem Husten zu überreden.




Nach zehn Minuten ist das tote Steuergerät heraus, ein Äquivalent aus einem Audi A4 eingebaut, und Peter ( den Uns´ Uwe mit seinem hessischen Dialekt immer „Dää Beedääää“ genannt hat) kann wieder lachen.




Nach Rößel trennt sich die Gruppe. Wir fahren zu sechst weiter Richtung Osten, denn unser Ziel ist der Weg durch die Rominter Heide nach Litauen.

Nach weniger Kilometern, bei einem Tankstopp in Angerburg, verraucht plötzlich die rechte Schaltereinheit von Maulis GS. Ein polnischer Busfahrer, der gerade seine Fahrt antreten wollte, lässt seinen Ikarus stehen und bietet uns seine Hilfe an. Er nimmt Stefan völlig selbstlos mit zu einem befreundeten Automechaniker, der herausfinden soll, ob er noch etwas retten kann. Ich denke, solche Hilfsbereitschaft kann man in Deutschland kaum noch finden.

Trotzdem kommt für die GS jede Hilfe zu spät. Sie ist ein Fall für den Schandwagen.



So leid es uns tut, wir müssen Stefan zurück lassen und fahren weiter nach Nordosten über Benkheim und Goldapp durch die Rominter Heide. Hier soll angeblich – hart an der russischen Grenze - ein kleiner Übergang nach Litauischen sein. Das Garmin-Navi findet ihn nicht, wir haben auch nur davon gehört. Selbst der Verbindungsoffizier aus Rößel, der schon mehrmals in Litauen war, kennt den Grenzübergang nicht. Er rät uns von der Suche ab.
Christian hat aber den richtigen Riecher. Eine Überfahrt über die grüne Grenze scheitert zwar direkt an den Grenzpfosten, Sybille legt sich in dem weichen Sand sogar noch auf´s Mett, aber dann finden wir sogar ein asphaltiertes Stück.



Litauen ist arm. Die Straßen sind leer, wir fahren teilweise eine Viertelstunde ohne motorisierten Gegenverkehr. Dafür treffen wird aber auf Panjepferde, die alte Leiterwagen ziehen. Die Menschen winken uns zu.






Blick nach hinten, in einem kleinen litauischen Dorf.



Die Landschaft verändert sich. Wir kommen langsam in die Memelniederungen. Das Memelland war ein schmaler Landstreifen, der vor dem Krieg auch deutsch war, jetzt aber zu Litauen gehört.

Christians G/S

Die Straßen sind hier nicht befestigt. Wir fahren immer hart an der russischen Grenze entlang und fragen uns, was wohl passiert wäre, wenn Mauli GS hier im Nichts das Zeitliche gesegnet hätte!?!




Litauische Staubpisten



Dort eine Pause, wo der Seitenständer nicht einsacken kann: auf einer befestigten Brücke.



Wie geht´s weiter?



Dann sind wir in Memel. Die 170.000-Einwohnerstadt heißt heute Klaipeda und ist alles andere als schön. Im Krieg vollständig zerstört, sieht sie heute wie eine sowjetische Satellitenstadt aus. Wir halten uns nicht lange auf und setzen mit der kleinen Fähre über auf die Kurische Nehrung.



Die Nehrung ist landschaftlich sehr schön und touristisch auch voll erschlossen. Von dem armen Litauen ist hier nichts zu spüren. Unser Ziel ist das alte Ostseebad Nidden. Dazu müssen wir aber zuerst noch 45 Kilometer über die Kurische Nehrung fahren. Und wenn wir schon mal da sind, dann verlegen wir doch gleich wieder an die russische Grenze, die die Nehrung in zwei Teile teilt.



Zum Schluss gibt es noch ein Siegerfoto von uns allen.



Die Holzhäuser von Nidden haben einen typischen Baustil, den es nur hier gibt.
Blick auf das frische Haff.





Unsere Reise geht zu Ende. Im Hafen von Klaipeda wartet unsere Fähre, die uns in einer 22-stündigen Fahrt nach Kiel bringen soll.




Tschüs Litauen





Dirk und Sybille