Zenit

Erinnern Sie sich noch, als sie damals mit Ihrer Frau zum Einkaufen in die Stadt gefahren sind und ewig lange bei Quelle herumstehen mussten. Vor lauter Langeweile haben sie sich zuerst die Auslage mit diesen neumodischen Digitaluhren und dann die Fotovitrine angesehen. Sie haben vermutlich auch über diese klobigen ziegelsteinartigen Fotoapparate mit den knollenartigen Objektiven geschmunzelt. Sie sahen so ganz anders aus als die zierlichen Plastik-Japanerinnen von Porst. Vielleicht hatten sie zu Hause einen einfachen Agfa- oder Kodak-Fotoapparat und überlegt, ob sie sich einen Umstieg auf eine Spiegelreflexkamera leisten können. Die Revueflex von Quelle war preislich durchaus interessant, um den Einstieg zu wagen. Sie hatten aber gehört, dass das eine russische Kamera sein soll. Kann die was taugen? Und was sagen die Nachbarn, wenn sie sehen, dass sie mit einem russischen Fotoapparat unterwegs sind, während sie selbst mit ihrer federleichten und top-modernen Canon T70 - jedem bekannt aus der Fernsehwerbung - auf einen herabsahen. Den heckmotorisierten Skoda oder den schlampig verarbeiteten Lada Nova fuhren auch nur Leute, denen ihr Ansehen egal war.

Sie haben sich trotzdem die Zenit gekauft und waren nach der ersten Entwicklung ihrer Dias vom Dänemark- Urlaub restlos überzeugt. Bilder in erstklassiger Qualität. Und vor allem: auch bei schlechten Lichtverhältnissen hat die Zenit durch erstklassig scharfe Fotos überzeugt, wo die Agfa Silette schon lange die Segel gestrichen hätte. Und die dauernde Neuanschaffung der Blitzwürfel war ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

Insofern hatte sich die Anschaffung der Revueflex alias Zenit schon gelohnt. Doch wie lange würde die Russentechnik halten? Hoffentlich länger als ein Lada.