Die Leningrad suche ich schon, seit dem ich mich mit Zorkis befasse. Sie ist äußerst selten, nicht in Deutschland verkauft worden und heute fast immer defekt, da sie niemand mehr reparieren kann: die Leningrad.
Sie ist eine sowjetische Eigenentwicklung der Firma Gosudarstvennyi Optiko-Mekhanicheskii Zavod (GOMZ), die 1932 in Leningrad gegründet würde. 1965 wurde das Unternehmen in LOMO umbenannt, der Rest ist bekannt.

Das besondere an der Leningrad: sie hat keinen normalen Verschlussspannhebel, sondern ein Federwerk, das man aufzieht. Damit kann man Serienaufnahmen schießen, und zwar 3 Bilder pro Sekunde, 20 Bilder in einem Rutsch durch. Ein mechanisches Wunderwerk, die Grande Complication der Kameratechnik sozusagen. Sie ist für professionelle Fotografen aus dem Sportbereich entwickelt worden. Die Leningrad ist die erste Kamera, die mit einem Jupiter 8 ausgeliefert wurde. Damit das Leica-Auflagenmaß passte, hat sie eine merkwürdige Delle in ihrem Gehäuseunterteil bekommen. Sie ist sehr schwer, deutlich größer als eine Zorki 1 und wiegt doppelt so viel.

Selbst Oleg Khalyavin, der bekannteste Russenkameraschrauber, schreibt auf seiner homepage, dass er keine Leningrad-Kameras zur Reparatur annimmt.
Wenn mal so ein Exemplar bei ebay-Deutschland auftaucht, dann ist es entweder defekt oder so abgenutzt, dass die Federkraft nur noch für 3 Auslösungen ausreicht.
Mein Exemplar, das 1958 gebaut wurde, schafft noch die 20 Auslösungen und sieht auch sonst noch aus wie neu. Ich werde mit der Leningrad niemals fotografieren. Sie kommt - getrennt von ihrer Bereitschaftstasche (Fungusgefahr) - in Ölpapier eingewickelt in einem klimatisierten und selbstentfeuchtenden Safe tief in der sonnenlichtgeschützten Schublade meiner Unterbettkommode zur Ruhe.

Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen.

Ich will nur eines von der Leningrad: sie besitzen.