Revision einer Contax II von 1936


Wie ich im "Zeig-mal-Fred" schrieb, habe ich den Zuschlag für eine Zeiss Ikon Contax II erhalten, um nicht immer nur mit den sowjetischen Kopien herumhantieren zu müssen.
Mit einem Zuschlagspreis von 115,-EUR gelang mit der Einstieg ins originale Vorbild noch recht moderat. Genauso sparsam war auch die Artikelbeschreibung des Verkäufers, der immerhin drei positive Bewertungen vorweisen konnte. Ich führe die Artikelbeschreibung hier in der gesamten epischen Breite auf: "Voll funktionsfähige alte Kamera".
Endlich mal nicht so eine Labertasche. Für mich als gebürtigen Schleswig-Holsteiner reicht das völlig aus. Das ist ein klare Aussage. Alles andere wäre nur überflüssige Sabbelei! :roll:

Der GLS-Mann klingelte am Samstagabend um halb acht bei mir an der Tür und lieferte das Paket aus. Der erste Eindruck war sehr gut, bis auf ein paar korrosionsbedingte Maulwurfshügel unter der Belederung der Heckklappe. Nach einer ersten Ballistolanwendung sah die Contax so aus:

Das Carl Zeiss Sonnar war klar und sauber, allerdings hat der Verschluss nicht so funktioniert wie er soll. Nach dem Aufziehen und Auslösen rauschte der erste Teil des Lamellenvorhangs nach unten durch, der zweite Vorhang folgte aber nicht hinterher. Ich wähnte die Einstellung der Belichtungszeit auf "B" und vermutete eine verharzte Mechanik. Die Belichtungszeit stand aber auf 1250, und der zweite Verschlussvorhang war ums Verrecken nicht dazu zu bewegen, seinen Stammplatz im oberen Gehäuseteil zu verlassen. Ich konnte ihn nur dann langsam nach unten ziehen, wenn ich das Aufzugrad leicht hin und her bewegte. Der obere Lamellenvorhang war also zumindest da.

Gestern Abend war ich so neugierig, dass ich im Halbdunkel des Wohnzimmers die Contax zerlegt habe, während die beste Ehefrau von allen - in eine Decke eingemummelt - vor dem Fernseher den Schlaf aller Gerechten schlief. :roll:

Das Zerlegen ist nicht besonders schwierig.

Die Mechanik ist wirklich faszinierend. Sie ist deutlich komplexer als die Verschlussmechanik einer Schraubleica. Auf dem Bild sieht man den Messingarm, der in bis in die Mitte des Lamellenverschlusses reicht. Er wird noch eine besonder Rolle zu spielen haben.

Zunächst habe ich die Mechanik mit Bremsenreiniger augewaschen. Um den Verschluss ausprobieren zu können, muss man das Handrad für den Aufzug wieder provisorisch anschrauben. Das habe ich getan.

Nun wurde schnell erkennbar, dass sich der Verschluss nur durch Reinigen und Ölen nicht instandsetzen ließ. Die Ursache, warum der obere Verschlussvorhang durch normales Auslösen nicht zum Platzwechsel zu animieren war, ließ sich ohne das Abschrauben der hinteren Verschlussabdeckung nicht erkennen. Also habe ich die vier Schrauben auch herausgedreht und danach freien Blick auf die Eingeweide der Contax gehabt.

Auf dem oberen Bild kann man gut erkennn, wie der Lamellenverschluss funktioniert. Wenn der Verschluss gespannt ist, befindet sich beide Vorhänge ganz oben. Der Haken hält beide Vorhänge lichtdicht zusammen. Drückt man den Auslöser, so klinkt der Haken nur aus. Der erste Verschlussvorhang rauscht nach unten und zieht - in gebührendem Abstand - den zweiten Vorhang hinter sich her. Durch den Spalt wird dann mehr oder weniger schnell, bzw. lang, das Bild belichtet. Zieht man den Verschluss wieder auf, schiebt der untere Verschlussvorhang der oberen hinauf, bis der Haken wieder alles an seinem Platz festhält.

So die Theorie. Sie gilt leider nicht für meine Contax. So wie auf dem Bild sieht es aus, wenn man den Verschluss auslöst. Der Haken gibt die Mechanik frei, doch nur der untere Vorhang bewegt sich.


Die Ursache ist einfach, aber verheeend. Die Bänder, die die beiden Vorhänge miteinander verbinden, sind so porös und morsch, dass sie offenbar schon vor Jahren gerissen sind.

Grundsätzlich wäre das das Ende der Kamera, denn die Instandsetzung des Verschlusses traue ich mir nicht. Es wäre eine Möglichkeit, sie jetzt als Vitrinen-Königin zustauben zu lassen. Dafür ist sie mir aber eigentlich zu schade. Wie es weiter geht, steht hier!