analoge fotografie


Bei einem Freund, der mit mir die Leidenschaft für alte BMW-Motorräder teilt, habe ich eine alte Kamera entdeckt, die mich vom ersten Augenblick fasziniert hat. Sie war klein, massiv, sehr schwer und wunderschön in ihrem Aussehen. Auf meine Frage, was das für eine Kamera sei, erklärte er mir, dass es sich um eine Zorki handele, ein sowjetischer Nachbau der Leica II.  Von der kleinen Kamera war ich sofort angefixt und wollte mehr über sie erfahren, insbesondere über die Qualität. Er sagte mir, dass die Qualität sehr unterschiedlich sei. Mit einigen Kameras könnte man heute noch gut fotografieren, andere wären dazu verdammt, für den Rest ihres irdischen Daseins in irgenwelchen Vitrinen zu posieren.

Meine Neugier war größer als der Respekt vor den warnenden Worten. Auf Flickr fand ich viele Farb- und Schwarzweißbilder, die mit den alten Zorkis aufgenommen worden sind. Die antiquierte Anmutung der Farben, die Körnung des Films, die Nüchternheit der Schwarzweiß-Bilder fand ich einfach faszinierend. Ich musste so eine Zorki haben und ausprobieren. Im Netz fand ich die Seite www.sovietcams.com, die dem Liebhaber russischer Kameras sehr viele Informationen bereit hält.

Es dauerte nicht lange und die erste Zorki 1e aus dem Jahr 1995 gehörte mir. Für weniger als 30,-EUR erhielt ich den Zuschlag. Sie war ausgestattet mit der originalen Bereitschaftstasche, war optisch nahezu im Neuzustand, ließ sich aufziehen und mache "Klick", wenn man auf den Auslöser drückte.

Eine Bedienungsanleitung des Vorbilds Leica II war im Netz schnell gefunden. Moderne Spiegelreflexkameras mit Programmautomatik haben mein Wissen um Blende und Belichtungszeit verloren gehen lassen. Eine einfache Fotofibel von 1934 brachte Kurzweil beim Lesen und darüber auch die Erkenntnisse zum erfolgreichen Betrieb einer Sucherkamera mit dem technischen Stand der 30er Jahre.

Unser Familienurlaub in Dänemark war eine gute Gelegenheit, mich mit der Zorki intensiv zu beschäftigen, die Belichtungsmesser mit einem alten Werra-Lux Belichtungsmesser zu üben und die Werte von Blende und Belichtungszeit auf die Zorki zu übertragen.

Mir ist später erst bewusst geworden, dass diese ersten Gehversuche von entscheidender Bedeutung waren. Wenn der erste Film nichts geworden wäre - und es gibt viele Ursachen dafür, dass so ein (Wieder-)einstieg scheitern kann - hätte ich meine Engagement vermutlich nicht weiter vertieft und die Zorki hätte ihr Dasein als Staubfänger in irgendeinem Regal gefristet. Doch es kam anders. Der erste Film ist ganz gut gelungen, das heißt: die Belichtungsmessung hat halbwegs verläßliche Daten ergeben, die Verschlusszeiten der Zorki haben gepasst und die Kamera war lichtdicht. Die Farbfotos hatten genau diese altmodische Anmutung, die ich mag.